Verteidigungs-Unfähigkeit der Schweiz

SVP-Bundesräte haben die Armee abgewrackt. Unter Mitte-Mann Martin Pfister ist keine Umkehr in Sicht.

Prof. Albert Stahel in „Insideparadeplatz.ch“ vom 16. Februar 2026

Bis 1995 war die Schweizer Armee eine Milizarmee mit dem Hauptauftrag der Verteidigung der Schweiz im Falle eines Krieges.

Ausrüstung, Bewaffnung und Organisation dieser Armee beruhten auf der Konzeption der militärischen Landesverteidigung von 1966.

Durch die in einem Aktivdienst aufgebotenen 400’000 Wehrpflichtigen, den vielen künstlichen Hindernissen, Sperranlagen und Sprengobjekten wurde eine breit abgestützte Verteidigung des Landes gegenüber einem Angreifer vorbereitet.

Dieser wäre bei einem Angriff auf unser Land mit einer kampfstarken Armee konfrontiert gewesen, die er nicht einfach hätte überwinden können.

1995 wurde das damalige Militärdepartement durch Bundesrat Adolf Ogi übernommen.

Dieser liess sich von US-freundlichen Beamten und Berufsoffizieren, die in den USA in Fort Leavenworth ausgebildet worden waren, überzeugen, dass die Schweizer Milizarmee überholt sei.

Und dass sie durch eine Einsatzarmee nach NATO respektive US-Norm ersetzt werden müsste.

Die neu zu bildende Armee sollte in Anlehnung an das damalige Reformprojekt der US Army die Bezeichnung Armee XXI erhalten.

Damit eine NATO-Armee errichtet werden konnte, waren die Strukturen und Beziehungen zwischen der Armee und den Kantonen zu beseitigen.

Des Weiteren sollten „überschüssiges“ Material und Waffen liquidiert, Zeughäuser und Grosse Verbände aufgelöst und die Armee auf einen Sollbestand von 220’000 Wehrpflichtige verkleinert werden.

In der Euphorie befahl Bundesrat Ogi, das EMD (Eidgenössisches Militärdepartement) neu als Departement für „Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport“ zu bezeichnen.

Verschiedene Attachés in der Schweiz quittierten dies spotthalber als Abkürzung für „Volleyball, Basketball und Schwimmen“.

Mit dem Reformprojekt sollte insbesondere eine seit über 150 Jahren dauernde Militärtradition der Schweiz beseitigt werden.

Die Umsetzung der Projektes Armee XXI erfolgte unter dem Nachfolger von Bundesrat Ogi, Bundesrat Samuel Schmid.

Trotz der veränderten Weltlage nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA beharrte der Verteidigungsminister in einer Art Nibelungentreue zu Bundesrat Ogi auf die Verwirklichung des Projektes Armee XXI.

Sehr bald wurden strukturelle Schwächen und das gravierende Ungenügen der Armee XXI zur Erfüllung des Verteidigungsauftrages sichtbar.

Zur Beseitigung der wichtigsten Lücken und Schwächen boxte Samuel Schmid im Parlament den Entwicklungsschritt 08/11 durch.

Dieser erwies sich nach Schmids Rücktritt als Flickwerk. Nun richteten sich alle Hoffnungen auf seinen Nachfolger, Bundesrat Ueli Maurer, wie Ogi und Schmid von der SVP.

Maurer liess zuerst die Hoffnung aufkeimen, dass er die durch seine Vorgänger erfolgte Demontage der Milizarmee beseitigen würde.

Schon bald lancierte er ein neues Reformprojekt mit der Bezeichnung „Weiterentwicklung der Armee“ (WEA).

Nun waren nicht nur „überzählige“ schwere Waffen wie Kampfpanzer und Panzerhaubitzen zu verschrotten beziehungsweise ins Ausland zu verschleudern, sondern die Armee auf einen Sollbestand von 100’000 Wehrpflichtigen zu reduzieren.

Den Hauptauftrag Verteidigung sollte mit weniger als 30’000 Wehrpflichtigen erreicht werden.

Mit der Ablehnung der Beschaffung des Kampfflugzeuges Gripen in der Abstimmung von 2014 wurde die Zukunft der Armee in Frage gestellt.

Eine Armee, die über keine einsatzfähige Luftverteidigung verfügt, ist zur Verteidigung eines Landes nicht fähig.

Mit der Wahl von Guy Parmelin, SVP, zum Bundesrat 2026 und seiner Übernahme des VBS hofften wiederum viele Naivlinge, dass eine Trendumkehr der Demontage erfolgen und dass das unbrauchbare Projekt WEA sistiert würde.

Weit gefehlt. Nachdem das Referendum gegen die WEA sabotiert wurde, hielt Bundesrat Parmelin, der nur über wenige Kenntnisse in militärischen Sachfragen verfügte, unbeirrt an der WEA fest.

Parmelin wurde 2018 als VBS-Chef durch Viola Amherd von der Mitte-Partei abgelöst. Sie setzte die WEA unbeirrt um und reduzierte die Verteidigungsfähigkeit der Schweizer Armee auf weniger als 30’000 Wehrpflichtige.

Im Sinne einer verstärkten Hinwendung zu den USA beantragten sie und ihr Beraterkreis für die Luftwaffe amerikanische Systeme.

Zu diesem Beschaffungsvorhaben gehörten 36 Kampfflugzeuge F-35A und Boden-Luft-Abwehrflugkörper Patriot PAC3.

Nach Amherds Rücktritt im April 2025 zeichnete sich bei diesem Beschaffungsvorhaben ein Fiasko ab. Von einem Fixpreis für die F-35A ist aufgrund der Verlautbarungen des US-Kriegsministeriums keine Rede mehr.

Entweder wird die Schweiz sich mit einer reduzierten Zahl an F-35A begnügen oder der Nachfolger von Viola Amherd, Mitte-Bundesrat Martin Pfister, wird einen Nachtragskredit beantragen müssen.

Dieser müsste allerdings die Hürde einer Volksabstimmung überwinden. Der ursprüngliche Zeitpunkt der Lieferung der Patriot-Abwehrsysteme ist aufgrund der Unterstützung der Ukraine auch nicht mehr garantiert.

Leider ist Bundesrat Pfister nicht bereit, die fragwürdige Abhängigkeit unserer Armee von den USA in Frage zu stellen und dadurch auch die Verteidigungsunfähigkeit zu beseitigen.

Fazit: Die Schweiz ist heute nicht mehr verteidigungsfähig. Am Ende könnte sich diese selbstverschuldete Verteidigungsunfähigkeit als katastrophal erweisen (Daniel 5, 26, mene mene tekel upharsin; gezählt, gewogen und geteilt).